Wir essen jetzt(,) Opa. – Ein Tag Pflege & Gedanken

Pünktlich zum Wochenende schreibt der Münchner Merkur auf seiner Titelseite in einer kleinen Randmeldung, dass das von Kristina Schröder 2012 eingeführte Gesetz zur Pflegezeit nur von 147 Bürgern (oder so) beantragt wurde. Dementsprechend wurde der dafür angelegt Etat gekürzt… Zugegeben, ich hab mich nicht mit dem Gesetz befasst. Nur zufällig gelesen. Trotzdem, wie passend…

Denn während ‚da oben‘ Gesetze beschlossen wurden und Haushalte gekürzt wurden, war ich selbst im ICE auf dem Weg zu meiner Wochenendschicht. Mehr als für einen Blick auf die Titelseite der Zeitungen war leider nicht Zeit. An diesem Wochenende bin ich dran mit Pflegen.

Darf ich vorstellen? 1919 geboren, also 93. Viel gesehen, viel gehört. viel getan, aber auch viel verloren. Augenlicht, Gehör, Gebein. Altersgebrechen und -Leiden und nach wie vor anspruchsvoll bei kulinarischen Genüssen 😉

Wie ist man so mit 93? Wunderlich? Vielleicht senil? Dement? Wie sind wir, wenn wir so alt sind? Werden wir jemals dieses Alter erreichen? So viel dazu, einfach ist es nicht. Irgendwie versucht man immer, das Leben noch möglichst so zu leben, wie es früher war. Aber meistens klappts nicht. Und alleine erst recht nicht.

Immer wieder werde ich gefragt, warum wir keine Hilfe, z.B. von Pflegediensten holen. Soviel dazu: Der Tag in einem Leben hat mehr als nur 10 Minuten oder vielleicht drei Stunden, in denen die Zeit aufgebracht wird, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu schaffen. Das Leben in diesem Alter ist ziemlich entschleunigt, wenn man nichts mehr machen kann.

Für den Pflegenden, der meist ein naher Angehöriger ist, ist das Leben allerdings noch nicht 93 Jahre alt. Es hält nicht für den Pflegenden an, nimmt meistens keine Rücksicht und ist erst recht nicht entschleunigt, da der Lebensinhalt mehr als nur die Pflege einnimmt (oder dies zumindest sein sollte). Auf Dauer ist das ziemlich anstrengend und meist können diejenigen, die diese Zeit noch nie durchgemacht haben, nicht ansatzweise verstehen, an welchen Kräften die Pflege zehrt. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Neben Isolation spielt der ständige ‚Bereitschaftsdienst‘ eine große Rolle.

In den letzten Jahren bin ich teilweise auf großes Unverständnis gestoßen, was die häusliche Pflege anbelangt. Es ist eben nicht so einfach, Verantwortung abuzugeben.

Übers Wochenede möchte ich euch einen kleinen Einblick über so ein typisches Wochenende geben.Via Twitter bekommt ihr über den Hashtag #WEPflege und #Pflege meine Updates.

Einerseits stellvertretend für alle anderen Pflegenden, andererseits auch, um ein bisschen Verständnis zu schaffen.

 

Artikelbild: Klaus-Uwe Pacyna  / pixelio.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s